Die Kindernothilfe blickt auf eine beeindruckende Historie zurück: Vor fast 70 Jahren wurde der Verein gegründet. Heute setzt sich der Verein in 31 Ländern Asiens, Afrikas, Osteuropas und Lateinamerikas für notleidende Kinder ein. Rund 160 Mitarbeiter sind für das Hilfswerk tätig. Einer von ihnen ist der HR-Manager Marcel Rütten. Im Mai dieses Jahres wurde er für seine Arbeit als „Personalmarketing Innovator 2017“ von der Westpress und W&V Job-Network ausgezeichnet.

Wir freuen uns, dass Marcel Rütten gemeinsam mit dem HR-Experten Robindro Ullah am 26. Oktober 2017 in München auf der „Digital Mind Change“ einen Workshop leitet. Die HR-Konferenz in der BWM Welt München wird von der Zukunft Personal mit Unterstützung von XING veranstaltet. Wir wollten von Marcel Rütten wissen, wie modernes Recruiting für den Verein funktioniert.

Herr Rütten, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem „Personalmarketing Innovator 2017“! Auf dem ersten Blick würde man die in den 50er Jahren gegründete Kindernothilfe nicht mit Recruiting-Innovationen in Verbindung bringen: Wie passt das zusammen?

Marcel Rütten: Herzlichen Dank! Ich bin immer wieder erstaunt, dass sich in der breiten Wahrnehmung NGOs und Innovationen scheinbar ausschließen. Dabei ist eher das Gegenteil der Fall. Ich erlebe, dass wir als Kindernothilfe sehr wohl die Herausforderung annehmen, die digitale Transformation zu meistern. Begrenzte Ressourcen fördern die Kreativität, da man aus vorhandenen Budgets das Maximale herausholen möchte und umso mehr Geld in den eigentlichen Zweck fließt. Glücklicherweise erlauben uns unsere Strukturen, dass Innovationen gefördert und unmittelbar realisiert werden können. Das Einzige, was es dafür braucht, ist etwas Mut, die Dinge auch umzusetzen.

Welche Auswirkungen hat der Einsatz moderner Recruiting-Tools auf die Qualität der eingehenden Bewerbungen bei Ihnen im Haus?

Marcel Rütten: Der Einsatz moderner Recruiting-Tools, wie Mitarbeiterempfehlungsprogramme, Matching-Tools oder Bewerbermanagementsysteme, führen dazu, dass wir als moderner Arbeitgeber wahrgenommen werden. Was die Qualität der Bewerbungen angeht, können wir beobachten, dass wir dadurch deutlich mehr Kandidaten für uns gewinnen können, die bereits eine sehr hohe digitale Affinität mitbringen und diese in ihre Arbeit sehr gut einsetzen.

Marcel Rütten ist HR-Manager für die Kindernothilfe. Am 26. Oktober leitet er auf der „Digital Mind Change 2017“ in München einen Workshop.

Mehr als 20 Prozent Ihrer Mitarbeiter akquirieren Sie aus Ihrem Praktikantenprogramm durch ein Alumni-Netzwerk. Welche Voraussetzungen müssen für diesen Erfolg gegeben sein?

Marcel Rütten: Viele Absolventen finden den Einstieg in die Berufswelt über ihr Praktikum. Eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für den Berufsweg spielt die Qualität des Praktikums, die durch Faktoren wie Lernen, Aufgabengestaltung, Führung, Teamklima oder Arbeitsbedingungen bestimmt wird. Wir haben frühzeitig Strukturen geschaffen, die sich sehr positiv auf diese Einflussfaktoren auswirken. Unter anderem beteiligen wir unsere Praktikanten durch vielfältige Feedbackprozesse direkt an der Weiterentwicklung des Programms.

Welche Rolle spielt das Employer Branding für eine Hilfsorganisation?

Marcel Rütten: Eine absolut erfolgskritische Rolle! Um eine wirkungsvolle Entwicklungspolitik zu gestalten, benötigen wir Experten der jeweiligen Fachrichtungen. Wir sind allerdings nicht der einzige Arbeitgeber bei dem es sinnstiftende Jobs gibt. Zusätzlich stehen wir in vielen Berufsfeldern mit anderen attraktiven Arbeitgebern aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland im Wettbewerb. Eine prägnante Arbeitgebermarke ist daher für uns entscheidend.

Was empfehlen Sie anderen Hilfsorganisationen, die sich mit Innovationen im Recruiting schwertun?

Marcel Rütten: Das afrikanische Sprichwort „Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern!“ finde ich gerade im Hinblick auf Innovationen sehr treffend. Ich bin davon überzeugt, dass man nicht immer gleich das große Rad drehen muss, um Veränderungen und Innovationen voranzutreiben. Ich denke, dass es viel wichtiger ist, nutzerzentriert zu denken, um eine hervorragende Candidate Experience zu schaffen. Ein simples Beispiel wäre sich einfach mal bei sich selbst zu bewerben! Ich versichere Ihnen, der Perspektivwechsel inspiriert zu neuen Ideen.

Am 26. Oktober dieses Jahres leiten Sie auf der Digital Mind Change gemeinsam mit Robindro Ullah einen Workshop. Worum geht es und wer sollte an dem Workshop teilnehmen?

Marcel Rütten: Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber es wird ein spannender Blick in die Zukunft. Der Workshop zeigt auf, wie Smart Data durch Algorithmen im Recruiting anwendbar werden und welche Informationen potentielle Bewerber bewusst oder unbewusst über ihre Persönlichkeit zur Verfügung stellen. Dabei wird die Anwendung konkreter Tools ebenso thematisiert wie der ethische Umgang mit ihnen.

Herr Rütten, vielen Dank für das Interview!

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